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Auf: Der Bär, der als Bär leben wollte

Original: "Der Bär, der ein Bär bleiben wollte" von Reinhard Mey
Neuer Text: jaybee (Download als A4-Liedblatt, rtf)


CFC
C a d G7 (beides 2x, am Ende C)
G D7 G
D e A7 D
D7 G C G
F C G

Er lebte in den Alpen und lebte frei und allein,
Sein Reich ging von Italien bis tief nach Deutschland rein.
Vom Bach bis an die Ufer seines Flusses und von da
Hinab bis in die Täler, soweit sein Auge sah.
Er kannte jede Höhle und fast jeden Blaubeerstrauch,
Die Lieblingsplätze der Forellen selbstverständlich auch.
Und abends liebte er es sehr, im hohen Gras zu stehn,
An einem Fels entlang zu streifen, und ins Land hinauszugehn.

So stieg der Bär auch an jenem Nachmittag von dem Fels,
Recht deutlich spürte er den Sommerwind in seinem Pelz.
Am Himmel sah er vielerorts blau-weiße Fahnen wehn,
Er freute sich, war neugierig, und es kribbelte in ihn.
Er trottete zu einem kleinen Dörfchen durch das Laub,
holte sich was zu essen für den Tag und sprach: "Ich glaub'
Es riecht nach Stress", und während er im tiefen Wald verschwand,
wurde sein Ausflug schnell im ganzen Land bekannt.

Er sollte recht behalten, manch Bürokrat begann zu schrei’n.
Ein Jäger zog in seinen Wald, verstecken musst jetzt sein.
Mit eis'gem Blick auf Suche, wo das Tier sich nur versteckt,
Doch Bruno Bär in seinem Unterschlupf ward nicht entdeckt.
Doch nach und nach, da kamen noch mehr Menschen in den Wald.
durchsuchten Baum für Baum, leuchteten Höhlen aus und bald
Brachten sie Hunde, Kameras, manch Fallen und so stand
rund um den armen Bär’n eine Armee im Land.

Manch Experte kam, doch gut versteckt entwischte meist der Bär
tief unten in manch Höhle, auch das Dickicht half ihm sehr.
Und wenn er dann im Dunkeln heimlich doch zum Dorfrand ging,
fand er nicht selten Tiere, die der mochte und sich fing.
Mal kamen auch Bewohner brüllend auf ihn zumarschiert,
"Los Du da, hey verschwinde statt hier 'rumzustehln, kapiert".
So wurde er berühmt und manches Filmteam wollte drehn,
Doch der Ministerpräsident wollte ihn nicht mehr seh'n.

Dieser Ministerpräsident, der wollte keinen Bär’n.
herrschte im größten Bundesland, doch fürchtete sich sehr.
Er war so mächtig, dass er Immunität besaß,
eine Krawatte tragen musste und nur Weißwurst aß.
"Wenn da ein Bär ist, bitte, dann erschießen Sie ihn schnell.
Los suchen Sie ihn überall und bringen mir das Fell.
Denn, Bären gibt’s hier nur in Zoo und Zirkus kurz und klein.
Genau drum soll der nächste Tag der letzte für ihn sein."

Sie jagten Tag für Tag nach Bruno Bär und drehten stumm
Den Blick von rechts nach links und danach wieder rechts herum.
Doch nahe Mitternacht, da konnt er zu den Dörfern gehn,
Um in den Gärten sich nach was zu essen umzuseh'n.
Doch an ´nem Abend schlief er leider schon am Waldrand ein,
Hörte nicht ihre Schritte, nur den Oberjäger schrei'n,
"He, Du da, Schluss, Du bist entdeckt, hier ist Dein gerechter Lohn".
"Entdeckt?" erschrak der Bär und rannte schnell davon.

Im raschen Bär-Galopp wanderte er jetzt ohne Ziel
Einfach gradaus zum Wald, bis dann der erste Schuss schon fiel.
So rannte er einen Tag, eine Nacht und noch einen Tag
über viele Kilometer, obwohl er Hetze gar nicht mag.
Mal wählte er ´ne List, mal hatte er auch einfach Glück,
doch schließlich kam er doch einmal dem Jäger in den Blick.
Und der griff eisekalt zum Jagdgewehr, der Bär wollt noch
schnell fliehn, aber dann traf der Schuss am Ende doch.

Er schleppte blutig sich zum Wald, der ihm jetzt feindlich schien.
Er ging, und nach und nach verließen seine Kräfte ihn.
Ich muß jetzt darüber nachdenken, dachte sich der Bär,
Warum sie das nur taten, wenn es nur nicht so schmerzhaft wär'.
Er setzte sich vor eine Höhle und starrte noch lang
Ins Leere, ahnte, wie das Blut aus seinem Körper rann.
Er spürte sich nicht mehr und stellte bald das Atmen ein,
Und dann am letzten Morgen seiner Reise schlief er ein.

Auf: Geh aus, mein Herz
Gleich zwei Versionen: Die erste (Bild) aus der Umweltbewegung der 70er Jahre, die zweite zum Kampf gegen den B49-Neubau in Reiskirchen


1. Geh aus, mein Herz, und suche Freud
in dieser lieben Sommerszeit an deines Gottes Gaben;
schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir
sich ausgeschmücket haben, sich ausgeschmücket haben.

2. Die Bäume stehn bald ohne Laub,
das Erdenreich dann nur aus Staub und einem grauen Kleide;
Narzissus und die Tulipan, die schauen sich verzweifelt an.
Ach, sieh doch dieses Leide, ach, sieh doch dieses Leide.

3. Die Lerche kriegt dann keine Luft,
das Täublein liegt in seiner Gruft zerfressen von den Maden;
die hochbegabte Nachtigall erstirbt vor Autos und Abfall
in Lärm und Abgas-Schwaden, in Lärm und Abgas-Schwaden.

4. Die Glucke will ins Freie raus,
der Storch verreckt vorm Autohaus, die Schwalb hat kranke Lungen.
Der müde Hirsch, das sieche Reh hofft auf den Tod aus all dem Weh.
Ach, wär dies schon gelungen, ach, wär dies schon gelungen.

5. Die Bagger rauschen übers Land
verteilen Stahl, Beton und Sand auf unsern Weizenfeldern.
Die Wiesen liegen hart dabei und klingen ganz vom Schmerzgeschrei.
Dies tönt auch aus den Wäldern, dies tönt auch aus den Wäldern.

6. Die gift-verseuchte Bienenschar
fliegt hin und her, sucht hier und da verzweifelt ihr Speise;
des alten Weinstocks letzte Kraft sucht täglich etwas öden Saft
in seinem schwachen Reise, in seinem schwachen Reise.

7. Der Weizen wächset mit Gewalt;
mit künstlich Dünger voll geknallt, mit Gift man ihn besprühte.
Der Schöpfer sieht’s vom Himmel aus: Der Mensch macht allem den Garaus
mit seinem Toll-Gewüte, mit seinem Toll-Gewüte.

8. Ich selber kann und mag nicht ruhn,
der vielen Menschen dummes Tun zerreißt mir alle Sinnen;
ich stöhne mit, wenn alles stöhnt, hab mich noch nicht daran gewöhnt
und meine Tränen rinnen, und meine Tränen rinnen.

9. Ach, denke ich, hier war’s so schön,
doch schon bald herrschet laut Getön auf dieser armen Erden,
wenn hier mit Hilf von sehr viel Geld wird eine Brücke hingestellt.
Es wird sehr übel werden, es wird sehr übel werden!

10. Welch großes Weh, welch großer Schmerz
durchdringet mir Leib, Seel und Herz. Wie muss es da schlimm klingen,
da die Gewalt der Baggerkraft die schöne Au als Wüste schafft,
all Leben wird umbringen, all Leben wird umbringen.

11. O wär ich weg! Doch ich bleib da,
zu warnen all in Fern und Nah vor diesem bösen Wandeln.
So wollt ich nach Propheten Weis bekunden nur den wahren Preis,
den kostet dieses Handeln, den kostet dieses Handeln.

12. Auch weiter will ich, weil ich doch
das Leben liebe immer noch auch nicht gar stille schweigen;
mein Herze soll sich fort und fort an diesem und an allem Ort
zum Kampf fürs Leben neigen, zum Kampf fürs Leben neigen.

13. Helft mir dabei und gebt mir Kraft,
die nur das Gute für uns schafft, dass uns das Leben blühe;
kämpft mit uns diesen guten Streit, und seid zum Schweiße auch bereit,
dass jedes sich bemühe, dass jedes sich bemühe.

14. So retten wir viel guten Raum
mit Gras und Busch, mit Kraut und Baum, viel Früchte wird es treiben.
Wir schaffen das, glaubt nur daran; die Aue wird auch noch fortan,
zu aller Freude bleiben, zu aller Freude bleiben!

15. Bis zum letzten Atemzug
duld ich weder Lug noch Trug. Dem Leben will ich dienen.
Uns treibt der Mut und auch die Kraft, die Gutes will und es auch schafft:
Die Au wird weiter grünen, die Au wird weiter grünen!

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