Sand im Getriebe

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Sexualität


Sexualität Einvernehmlicher Sex Kritik an Pornographie Die Bibel über Sexualität

Eine Perspektive jenseits von Sexpositivität und Sexnegativität: Entmystifizierung oder "Sex ist auch nur ein Hobby"
Wikipedia definiert ein Hobby als "eine Freizeitbeschäftigung, die der [sic!] Ausübende freiwillig und regelmäßig zum eigenen Vergnügen oder zur Entspannung betreibt. Es trägt zum eigenen Selbstbild bei und stellt einen Teil seiner [sic!] Identität dar." Eigentlich fällt Sexualität die nicht der Fortpflanzung dient recht offenkundig in diese Definition. Die Bezeichnung von (nicht der Fortpflanzung dienendem) Sex als Hobby löst aber gewöhnlich Empörung aus, egal ob in einem heteronormativen oder explizit queeren Umfeld, ob unter eher konservativen oder eher progressiven Menschen, ob in der Kirchengemeinde oder im autonomen Zentrum. Dieser Text ist aus der Frage entstanden, warum dieser Gedanke solche Ablehnung auslöst.
Die Mystifizierung von Sexualität zieht sich durch alle politischen Spektren. Für Konservative ist die Regulierung von Sexualität einer der Eckpfeiler einer "moralischen" Gesellschaft. Die rechtsextreme und frauenhassende Manosphere baut ihre komplette sogenannte "Analyse" auf Sexualität auf. Und für den Feminismus war und ist das Thema die Hauptspaltungsfrage schlechthin. Eine der relevantesten Einteilungen des Feminismus in verschiedene Strömungen ist die in "sex-negativ" und "sex-positiv". All diese extrem unterschiedlichen Ansichten haben eins gemeinsam: Sexualität wird auf irgendeine Art und Weise mystifiziert und auch politisiert, sei es als etwas "Heiliges" oder "Böses".
Eine Frage die sich an der Stelle stellt: warum übernimmt der Feminismus mit der Mystifizierung von Sexualität eine der grundlegenden Ideologien des Patriarchats und streitet sich nur noch darum, ob Sex jetzt etwas Befreiendes oder Unterdrückendes ist, aber stellt nicht einmal ganz grundsätzlich die Annahme in Frage, das Sexualität aus ihrem gesellschaftlich-patriarchalen Kontext gelöst mehr sein muss als ein Hobby (und wenn gewollt auch eine Möglichkeit der Fortpflanzung)?
Das Bekämpfen jeder Art von sexueller Gewalt sowie der patriarchalen Regulierung von weiblicher und queerer Sexualität gehören zu den wichtigsten Zielen des Feminismus. Insofern ist es naheliegend, dass Sexualität bei (auch unterschiedlich ausfallenden) feministischen Analysen eine wichtige Rolle spielt. Allerdings schaffen Glaubenssätze wie das sexpositive "ausgelebte Sexualität ist notwendiger Teil feministischer Befreiung" und das sexnegative "Sexualität ist zwangsläufig Teil patriarchaler Unterdrückung" eine neue Mystifizierung und auch neue Normen und damit letztlich Marginalisierungen. Eine Alternative dazu könnte eine Profanisierung von Sexualität sein. Das Ziel hiervon wäre eine Welt, in der mehrmals am Tag mit wechselnden Partner*innen Sex haben so akzeptiert ist wie mehrmals am Tag mit verschiedenen Partner*innen Schach zu spielen, immer nur mit der gleichen Person Sex haben so akzeptiert ist wie immer nur mit der gleichen Band zusammen Musik zu machen, alle paar Jahre Sex haben so akzeptiert wie alle paar Jahre ins Kino zu gehen und niemals Sex haben so akzeptiert wie niemals einen Sci-Fi-Roman zu lesen. Und nicht nur "akzeptiert", sondern auch normal und unhinterfragt, wie eben alle Menschen verschiedene Interessen und Hobbys haben. Ohne, dass daraus Schlüsse auf irgendeinen anderen Lebensbereich gezogen werden würde. Eine Welt in der keinen Sex haben eben so wenig ein Makel ist wie sehr viel Sex haben, in der eine romantische oder partnerschaftliche Beziehung keine Voraussetzung für Sex ist und Sex keine Voraussetzung für so eine Beziehung.


Aus dem "Queerotic Kalender 2027"

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