Biotopschutz

RECHTS UND ÖKO

Rechte Gruppen und ihre Ökopositionen


1. Einleitung
2. Aus Geschichte der Ökologiebewegung und -politik
3. Demografie und Bevölkerungs"explosion"
4. Wechselspiele: Erst Öko, dann Funktionär*in in rechten Gruppen/Parteien
5. Ökologie-/Alternativbewegung und Rassismus
6. Rechte Gruppen und ihre Ökopositionen
7. Rechte als Funktionäre und Vordenker in der Ökologiebewegung
8. Rechte Gruppen in ökologischen Bewegungen
9. Ökologie, Esoterik und antiemanzipatorische Orientierungen in linken/Ökogruppen
10. Faschisten mit grünen Gewand
11. Downloads und Links
12. Buchtipps

Tierschutz: Klischees und Naturromantik
Mit dem Ableben mehrerer Vordenker und Protagonisten war es in rechtsökologistischen Gefilden in den letzten Jahren wieder merklich ruhiger geworden (1993: Herbert Gruhl, 1999: Werner G. Haverbeck, 2003: Baldur Springmann). In letzter Zeit sind es vor allem junge Kameradschaftler, die für sich den Tier- und Naturschutz entdecken. Die Ausgaben von immerhin drei jüngeren grün-braunen Magazinen sind dieses und Ende letztes Jahr erschienen.
Im September 2006 erschien die zweite Ausgabe von „fallen rain“ einem A5-Blatt mit 52 Seiten dass laut Eigenangabe in einer Auflage von 250 Stück erschien1. Als Kontaktadresse für „fallen rain“ wird Edemissen2 in Niedersachsen und als Kontaktperson ein Christian angegeben. Ein Christian Recklies aus Edemissen war bis zu einem Hackerangriff Anfang 2005 der Betreiber des rechten Umwelt- und Tierschutzportals „Bound for Nature“3. In unbekannter Stückzahl erschien im November 2006 die dritte Ausgabe des optisch nur wenig ansprechende 22seitigen Magazines „Öko..? Logisch..4“ aus Arendsee5 (Sachsen-Anhalt). Beide im Fanzine-Outfit erstellte Hefte sind recht eindeutig im Kameradschaftsumfeld zu verorten.

Optisch ansprechender aber inhaltlich kaum weniger eindeutig hingegen ist das 32seitige Magazin „Umwelt und Aktiv“ (Untertitel: „Das Magazin für gesamtheitliches Denken“), dessen zweite Ausgabe Ende Mai herauskam. Eindeutig ist eine neuheidnische Ausrichtung bereits an der „Irminsul“, einem germanischen Heiligtum, im Cover erkennbar. Herausgeber ist ein „Verein Midgard e.V.“ mit Postfach in Traunstein (Oberbayern). Im zugehörigen Onlineshop gibt es auch „T-Hemden“ (Szenejargon für Tshirt) mit der Aufschrift „Umweltschutz ist Heimatschutz“ zu erwerben.

Auch außerhalb des rechten Blätterwaldes entdecken Rechtsextreme plötzlich ihr Herz für Tier und Natur. Seit kurzem besteht eine Gruppe namens „nationalen Sozialisten der AG-Tierrecht“6 Auf deren Homepage gleich am Anfang wurde ein Bild in Stürmer-Manier von schächtenden orthodoxen Juden postiert. Dieses Bild stammt, wie ein Artikel des antifaschistischen Autorenkollektiv redok nachweist7, aus dem NS-„Kinderbuch“ „Der Giftpilz“, dass 1938 vom damaligen „Stürmer“-Hauptschriftleiter Ernst Hiemer herausgegeben und vom NS-Karikaturisten „Fips“ (Philipp Rupprecht) gezeichnet wurde. Wie sich ein rechtsextremer Tierschutz präsentiert, merkt man schnell bei Passagen wie dieser:

„Da es schon immer im Interesse der nationalsozialistischen Bewegung lag, die Natur und auch die Tierwelt zu schützen, wird es nun endlich Zeit, dass auch wir wieder unsere Stimme und Fäuste gegen die grausame Ausbeutung der Tierwelt durch den Menschen und für dessen egoistische Luxusbedürfnisse erheben.“

Auch Rassismus findet sich im braunen Tierschutz versteckt:

„Wir fordern ein Zucht- bzw. Kreuzungsverbot verschiedener Tierarten und –rassen. Dieses soll gewährleisten, dass sich die einzelnen Arten und Rassen „selbstbestimmt“ entwickeln können.“

Mit ihrer Betonung auf einer veganen Ernährung erinnert die Gruppe stark an den völkischen Flügel der Lebensreformbewegung. Kontakte von neuen rechtextremen Tier- und Umweltschutzgruppen zu nichtrechten Organisationen ähnlicher Zielsetzung sind nicht bekannt, aber Formulierungen wie „Holocausts gegen die Tierwelt“ von der AG Tierrecht erinnern stark an ähnliche Holocaustrelativierungen der Tierschutzorganisation PeTA. Besonders betont wird bei braunen Tierschützern immer wieder ihre Ablehnung des Schächtens, was daran liegen dürfte, dass diese Art der Schlachtung von orthodoxen Juden und Muslimen praktiziert wird. Schon die Nationalsozialisten erließen nach ihrem Machtantritt ein antisemitisches Gesetz gegen das Schächten.
Dass die braunen Tierschützer ihren Worten auch Taten folgen lassen, konnte man erst vor kurzem beobachten. In Laupheim (BaWü) hatten mehrere Mitglieder der „Nationalen Sozialisten - AG Tierrecht“ am 18. März diesen Jahres nach dem Verteilen von Flugblättern gegen Zirkustierhaltung („Zirkus - Amüsement auf Kosten der Tiere“) eine Zirkusfamilie attackiert8. Unklar ist ob die neu entdeckte Tierliebe wirklich immer ernst gemeint ist oder nur Mittel zum Zweck, um den Holocaust zu relativieren, gegen religiöse Minderheiten zu hetzen, antiziganistische Vorurteile zu schüren (gegen Fahrende und Roma) oder allgemein um Sympathien in der Bevölkerung zu sammeln.

R. Schwarzenberg [Stand: 28.05.2007]

Fußnoten
  1. fallenrainmag.blogspot.com/, eingesehen am 23.03.2007
  2. www.aryan88.com/fanzines/index2.htm
  3. Ökonazis "Bound for Nature" gehackt, 22.03.2005, de.indymedia.org/2005/03/110058.shtml
  4. www.mf-zine.de/html/umweltprojekt.htm, eingesehen am 23.03.2007; www.aryan88.com/fanzines/oekologisch.htm, eingesehen am 25.03.2007
  5. fallenrainmag.blogspot.com/, eingesehen am 25.03.2007
  6. tierrecht.org/, eingesehen am 23.03.2007
  7. Redok: Tierrechts-Schläger auf den Spuren des "Stürmer", 25.03.2007; www.redok.de/index.php?domain_id=29&option=com_content&task=view&id=615&Itemid=40
  8. Karen Annemaier: Schlägerei am Zirkus: Männer sind polizeibekannt, 20.03.2007; www.szon.de/lokales/laupheim/stadt/200703200786.html

Ein ähnlicher Artikel von Andreas Speit: "Das liebe Vieh" erschien in: Jungle World Nr. 16 vom 18. April 2007.


Gentechnikkritik von rechts
Auf einer einer Veranstaltung am 7.2.2008 in Lauterbach ...
"Gentechnik - Nein danke!" heißt ein bunter Flyer der NPD Bayern. Auf den sechs Seiten des Faltblattes stehen Forderungen, wie sie auch in gentechnikkritischen Kreisen verbreitet sind: Gesunde Ernähung statt "Gen-Food", Einrichtung gentechnikfreier Zonen und ein staatliches Verbot für genmanipuliertes Saatgut. Mit einem Stapel dieser modischen Propaganda hatte sich eine Runde meist älterer Herren bei einem von der Bürgerinitiative "Zivilcourage" im Vogelsberg veranstalteten Vortrag eingerichtet. Die Gastgeber waren nicht zu bewegen, dass die Flyer ausgelegt werden durften. Parteimaterial sei nicht erwünscht, hieß es schnell. In der Diskussionsrunde dann meldete sich einer der Herren zu Wort und begann eine flammende Rede, die zeigte, in welche Worthülsen hier rechte Ideologie verpackt wird:

  • die bösen Konzerne seien amerikanische
    (kein Wort, dass mit Bayer, BASF, KWS & Co. viele deutsche Konzerne in der Gentechnikentwicklung sowie z.B. mit Nestlé und anderen europäische Unternehmen im Handel mit selbigen eine ganz prägende Rolle spielen)
  • es gelte, Europa zu retten vor den Amerikanern
    (als wäre "Amerika" - was auch immer das ist - einheitlich für Gentechnik und "Europa" - was ist das?" - einheitlich dagegen)
  • als Literatur empfahl der Redner mit viel Inbrunst das Buch "Saat der Zerstörung" von F.W. Engdahl
    (dieses Buch ist in gentechnikkritischen Kreisen weit verbreitet, wird aber gerade von rechten GentechnikkritikerInnen stark gemacht)

Beachtenswert war die Reaktion des Publikums. Klarer Widerspruch unterblieb, einige Reaktionen zeigten aber Unbehagen an. Ungefähr ein Drittel der ca. 100 Anwesenden applaudierte bei der Forderung, "Europa" vor "Amerika" zu retten.
Am Ende der Veranstaltung wurde kurz ein bevorstehender Prozess gegen FeldbefreierInnen in Gießen thematisiert. Danach wiesen in Einzelgespräche einige aus der Altherrenrunde sowie auch weitere Einzelpersonen auf die Möglichkeit hin, vor Gericht als Nationalität "Deutsches Reich" anzugeben und damit den Gerichtsprozess zu torpedieren. Auch per Telefon wurde dieser Vorschlag nochmals wiederholt.


NPD und Gentechnikprotest
Die Koordination der "Initiative für eine gentechnikfreie Region Nebel/Krakow am See" lag mehr als zwei Jahre in den Händen eines NPD-Mitgliedes. Aber nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern versucht die rechtsextreme Partei, sich über die so genannten weichen Bürgeranliegen in etablierte soziale Bewegungen einzuklinken.


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