Gießen autofrei

VERKEHRSWENDE IN GIEßEN: DIE KONKRETEN VORSCHLÄGE

Parteien zur Verkehrswende in Gießen (Kommunalwahl 2021)


1. Fahrradstraßen, Tramlinien und eine Flaniermeile
2. Forderungen, Wünsche, Ziele ... unser Verkehrswendeplan
3. Zu Fuß: Autofreie Innenstadt und Zonen, barrierefreie und breite Wege
4. Fahrradstraßen: Innerer Anlagenring, Innenstadtdurchfahrten, Trassen in alle Stadtteile
5. Anlagenring und mehr als Fahrradstraße: Bürgerinnen*antrag an die Stadt Gießen
6. RegioTram: Zwei Straßenbahnlinien mit Anschluss ins Umland - und weitere Strecken in Stadtteile
7. Klingt exotisch, bringt es aber: Seilbahnen als Ergänzung
8. Stadtteile im Nordosten: Wieseck und rund um die Philosophenhöhe
9. Pläne für konkrete Plätze oder Straßenabschnitte
10. Nulltarif in und um Gießen
11. Verkehrsunternehmen, Politik und Medien
12. Parteien zur Verkehrswende in Gießen (Kommunalwahl 2021)
13. Beiräte, NGOs, Berater*innen usw.
14. Verkehrserzeuger*innen und Pro-Auto-Lobby
15. Links
16. Das war der erste Vorschlag (2017): Plan, Text und Flyer
17. Kontaktformular für Anfragen und alle, die mitmachen wollen

Enthalten sind Auszüge aus Programmen und Erklärungen zur Kommunalwahl für die Stadt Gießen, in einigen Fällen auch aus dem Kreistagswahlprogramm (Gießen ist Teil des Landkreises). Wenn keine Zitate vorhanden sind, gibt es keine konkreten Aussagen. Allgemeine Floskel wie „ÖPNV stärken“ sind in der Zitatesammlung nicht enthalten. Sie finden sich bei allen Parteien in ähnlichen Formulierungen.

CDU
Pro Verkehrswende:
Angebote des ÖPNV flexibler und damit nutzerfreundlicher gestalten. Ringlinien zu den vorhandenen Sternlinien sind zu prüfen, ebenso wie die bessere Anbindung gerade der Nachbargemeinden Gießens … Wir halten nach wie vor einen zusätzlichen Fahrradweg zum Stadtteil Rödgen für erforderlich. Das Gleiche gilt für Lützellinden und Allendorf.

Gegen eine Verkehrswende:
Das Netz der E-Ladesäulen muss kontinuierlich ausgebaut werden, gebührenfreie Parkplätze für PKWs mit emissionsarmen/freien Antrieben sollen zusätzliche Anreize schaffen … Aber der ältere Mitbürger wird nicht mit dem Lastenfahrrad in den Fachmarkt fahren, um zwei Sack Blumenerde zu kaufen und die gehbehinderte ältere Mitbürgerin wird weiterhin möglichst nah an der Arztpraxis, dem Versicherungsbüro oder dem Geschäft in der Innenstadt parken wollen. Daher erteilt die CDU der autofreien Innenstadt eine klare Absage und besteht auf der 4-spurigen Verkehrsführung für den motorisierten Verkehr auf dem Anlagenring. Der Brandplatz wird auch weiterhin als öffentlicher Parkplatz, außer an Markttagen, nutzbar sein, solange es in diesem Areal kein vergleichbares Parkangebot gibt. Denkbar wäre die Errichtung einer Parkpalette hinter dem Zeughaus im Zusammenschluss mit der Justus-Liebig-Universität. … Das Netz der E-Ladesäulen muss kontinuierlich weiter ausgebaut werden, gebührenfreie Parkplätze für PKWs mit emissionsarmen/freien Antrieben sollen zusätzliche Anreize schaffen. … Die seit Jahren geplante Sanierung mit dem 4-spurigen Ausbau einschließlich der erforderlichen Radfahrspuren der Konrad-Adenauer-Brücke muss dringend in Angriff genommen werden

Problematisch:
Programm des Radwegeausbaus fortsetzen und eine Radwegenetz schaffen, das unter anderem den Fahrradverkehr abseits und neben den großen Hauptverkehrsstraßen führt, wo dies auf den Hauptverkehrsstraße nicht möglich ist
(warum problematisch: Der Satz hört sich gut an, in ihm steckt aber indirekt vor allem die Absage an Fahrradstraßen auf dem Anlagenring und den zentralen Achsenstraßen durch und in die Innenstadt – Radler*innen sollen als Störelemente von den Hauptstraßen verbannt werden; das dient eher dem PKW-Verkehr ++ im Streit um den Anlagenring von der CDU Gießen veröffentlichte Extraseite zu Fahrradstraßen ++ Extraseite dazu des CDU-Rechtsaußen Irmer aus Wetzlar)

Und was soll das?
Das Wunschdenken Einiger schafft noch keine von Vielen tolerierte Realität … Mit der CDU wird es keine ideologischen Grabenkriege um die vermeintlich „beste“ Fortbewegungsart geben

SPD
Pro Verkehrswende:
wollen wir an ausgewählten Standorten Fußgängerzonen ausweiten … Grünphasen für Fußgänger:innen verlängern … prüfen, ob an stark frequentierten Kreuzungen eine neue Ampelphase zu einer höheren Verkehrssicherheit von Fußgänger:innen und einem freieren Verkehrsfluss beitragen kann. In dieser Ampelphase sollen die Ampeln für die Straßenfahrzeuge Rot zeigen, sodass alle Fußgänger:innen gleichzeitig die Straßenseite wechseln oder die Kreuzung queren können. Hier möchten wir zunächst einen Verkehrsversuch auf der Kreuzung am Berliner Platz zu den Stoßzeiten durchführen … Durch eine weitere Fußgängerampel am Oswaldsgarten wollen wir das direkte Queren der Rodheimer Straße ermöglichen … Barrierefreiheit im öffentlichen Raum ausbauen und sicherstellen … Den innerhalb des Anlagenrings gelegene Abschnitt der Bahnhofstraße wollen wir zu einer Fußgängerzone umgestalten … vermehrtes Einrichten von Tempo-30-Zonen … am Autobahnring verstärkt Tempo 100 … Ziel ist, eine Art Regio-S-Bahn (ähnlich dem Kasseler Vorbild „Regio-Tram“) zu schaffen … Wir setzen uns auf sämtlichen Hauptverkehrsadern der Stadt für durchgehende und sichere Fahrradwege ein: auf dem Anlagenring, der Marburger, Grünberger, Ludwig-, Frankfurter und Licher Straße, dem Schiffenberger Tal, Aul- und Ohlebergsweg … verstärkt Fahrradstraßen … Verkehrsachse vom Neustädter Tor über den Marktplatz und die Neuen Bäue zum Berliner Platz wollen wir weiter umgestalten, um hier den Rad- und Busverkehr zu beschleunigen … Rödgen wollen wir durch einen Radweg entlang der L 3126 … Grundsätzlich sprechen wir uns für einen steuerfinanzierten ÖPNV aus … Wir werden prüfen, inwieweit der ÖPNV an Eventtagen wie dem Stadtfest kostenfrei gestaltbar ist. In Verbindung mit einer Studie wollen wir dabei Zahlen erheben, um die Möglichkeit einer kostenfreien, steuerfinanzierten Ausgestaltung des ÖPNV analysieren zu können … Gerechte Löhne für unsere Busfahrer:innen … Hochwertige Aufenthaltsflächen sollen frei von Parken und Parksuchverkehr werden

Gegen eine Verkehrswende:
Diesel und Benzin müssen durch regenerative Energieträger ersetzt werden … Förderung der E-Mobilität … Aufbau eines stadtweiten Ladesäulennetzes … nachhaltige Erfolge bei der Konversion der ehemaligen militärischen Flächen in Gießen erzielt worden, bspw. das Europaviertel, die so genannte Automeile (Anm.: beide ohne gute ÖPNV-Anbindung)

Grüne
Pro Verkehrswende:
Brandplatz unter Einbeziehung der Schlossgasse und der Marktlaubenstraße umgestalten und damit die Nutzung als Parkplatz beenden … Revitalisierung der alten Ortskerne in den Stadtteilen … Förderung von Hofläden und der Nahversorgung … die zweite Spur auf dem Anlagenring nur für den Radverkehr bereitstellen … Radwegeverbindungen in das Umland … Ost-West-Querungsmöglichkeiten der Fußgängerzone … Ausbau von Fahrradstraßen hin zu einem zusammenhängenden Fahrradstraßennetz … Umwidmung der Philosophenstraße zur Fahrradstraße … autofreie Innenstadt innerhalb des Anlagenrings … regionale Schienenverkehrsverbindung in das Umland mit städtischen Haltepunkten verstärken (Regio-S-Bahn) … Regio-Tram entlang der Grünberger Straße über den Berliner Platz (wie die derzeitige Buslinie 1) Richtung Marktplatz bis zur Frankfurter Straße (wie die derzeitige Buslinie 5) innerhalb des Verkehrsentwicklungsplans prüfen … Nachtzüge nach Frankfurt und Marburg an den Wochenenden mit einem Nachtbusanschluss … barrierefreie Einstiege in Busse und Bahnen an allen Haltestellen

Gegen eine Verkehrswende:
Gewerbefläche Katzenfeld … Fläche zwischen dem Gewerbegebiet Dutenhofen (Handelshof) und Bahndamm Allendorf als kleines interkommunales Gewerbegebiet Wetzlar/Gießen mit ca. 10 ha … autofreie Innenstadt innerhalb des Anlagenrings … Ausweitung der Infrastruktur für Elektromobilität

FDP
Pro Verkehrswende:
lückenloses Radwegenetz … jedoch nicht auf Kosten der Autofahrer … muss es möglich sein, dass auf einem Gehweg zwei Kinderwagen einander passieren können

Gegen Verkehrswende:
weg vom Verbrennungsmotor … automatisiertes Fahren … Auch wenn die Bedeutung des Privateigentums an einem Fahrzeug eine geringere Rolle spielen sollte, ist dennoch mit einer steigenden Anzahl an Fahrzeugen zu rechnen. Wichtig wird sein, dass die Fahrzeuge von den Nutzern zügig und sicher bewegt sowie abgestellt werden können. … kontinuierliches Fahren auf der „grünen Welle“ einer sinnvoll getakteten Ampelschaltung … (zu Parkplätzen in der Innenstadt:) … soll die erste genutzte Stunde jeweils kostenfrei sein, um auch für manche kleinere Einkäufe einen Anreiz zu schaffen, unsere Innenstadt zu besuchen. … E-Scooter

Knapp verfehlt:
Da die Buslinie 1 aktuell ihre Kapazitätsgrenze erreicht hat, bedarf es ihrer Neukonzeption. Dabei muss sichergestellt werden, dass die 18 Tonnen schweren Gelenkbusse die dafür nicht geeigneten Straßen in den südlichen Stadtteilen Kleinlinden, Allendorf und Lützellinden in Zukunft nicht mehr befahren.
(das wäre der Moment gewesen, die Straßenbahnforderung zu unterstützen – aber der Absatz endet hier einfach; gar kein Vorschlag folgt)

FW
Pro Verkehrswende:
behindertengerechte Verkehrsplanung, z.B. Abflachung der Bordsteine … Förderung des zweigleisigen Ausbaus der Vogelsbergbahn … zusätzliche Bahnhaltepunkte Gießen-Ost/Alter Flughafen und Gießen Nord/Alter Flughafen … kostenlose Nutzung der Busse in ganz Gießen … Reaktivierung der stillgelegten Bahnstrecken Hungen-Friedberg und der Lumdatalbahn Rabenau-Gießen … Radschnellwege im Landkreis umsetzen

Gegen Verkehrswende:
drastische Verringerung der Parkgebühren in der Stadt Gießen … Aus-weisung von Wohn- und Gewerbeflächen … Anbindung an den Gießener Ring an der Grünberger Straße und am Leihgesterner Weg … das kostenlose Parken in ganz Gießen für Elektro-Autos … mehr Parkplätze in einem Parkhaus unter dem Brandplatz … „miteinander“ statt „gegeneinander“ im Rad- und Autoverkehr. Daher kein Wegfall einer Spur auf dem Anlagenring zugunsten des Radverkehrs

AfD
Pro Verkehrswende:
Radwege, wo möglich, baulich von den Hauptverkehrsstraßen getrennt … Reaktivierung der Lumdatal- und Horlofftalbahn … Ausbau der Vogelsbergbahn … Rasche Verwirklichung zusätzlicher Bahnhaltepunkte, z. B. Gießen-Nord, Alter Flughafen und Lindenstruth

Gegen Verkehrswende:
Die Parksituation und das Parkleitsystem ist zu optimieren … hoher Handlungsbedarf, insbesondere beim Straßenausbau ... Freie Fahrt für freie Bürger

Fahrradstraßen als Ideologie?
Gießen, eine Stadt mit Potential, aber nicht als ideologisches Versuchsfeld grüner Verkehrspolitik.

GiGG
Pro Verkehrswende:
Rundum Grün … Zonen in der Gießener Kernstadt, die alleine den Fußgänger*innen vorbehalten sind. Insbesondere wollen wir dies im Bereich innerhalb des Anlagenrings verwirklichen, um die Innenstadt schrittweise autofrei zu gestalten … Auf dem Anlagenring pro Fahrrichtung eine Fahrradstraße, mit von dort sternförmigen angelegten Verlängerungen zu den Stadträndern. Die Fortführung der Fahrradachse in Verlängerung der Goethestraße über den Altenfeldsweg/Heegstrauchweg. … Fahrradstraßen mit dem Schild „Anlieger frei“ anstelle von Kfz-frei … Einrichtung von Microdepots … auch eine Antwort auf den zunehmenden Versandhandel sein. Hierbei werden Paketdepots in Immobilien oder Containern eingerichtet. Diese werden dann von Lastenrädern oder mit fußläufigen Transporthilfen genutzt, um Pakete auf den letzten km ans Ziel zu bringen … Fahrradschnellwege ins Umland … Der Busverkehr ist langfristig so zu gestalten, dass er überwiegend Zubringer für den schienengebundenen ÖPNV wird … Einrichtung weiterer Bahnhaltepunkte im Stadtgebiet … Einrichtung von Straßenbahnlinien als RegioTram … perspektivisch den kostenlosen (vollständig steuerfinanzierten) ÖPNV … Prüfung der Machbarkeit einer Seilbahnstrecke … kontinuierliche Reduzierung von Parkflächen für den PKW-Verkehr … Parkraumbewirtschaftung … umfassende Einrichtung von Tempo 30 Bereichen … Verzicht auf den vierspurigen Ausbau der Konrad-Adenauer-Brücke

Nicht klar, eventuell problematisch:
Dem Ausbau von Infrastruktur für E- oder H2-Fahrzeuge (für ÖPNV-Zwecke und Lieferverkehr sinnvoll/notwendig) möchten wir uns insbes. für eine Übergangszeit („Brückentechnologie“) nicht verschließen, jedoch muss an erster Stelle die Reduzierung/ Minimierung des Autoverkehrs stehen. … Bessere Vernetzung bzw. Absprachen mit Umlandgemeinden bei der Ausweisung von Gewerbegebieten

Gießener Linke
Pro Verkehrswende (aus dem Wahlprogramm):
Die Gießener LINKE kämpft für die RegioTram in Mittelhessen, die sich in öffentlicher Hand befinden soll ... längeres Bedienen der Linien in den Nachtstunden ... Barrierefreiheit ... Buslinien zu den Bahnhaltepunkten vor Ort auf ab- und anfahrende Züge abgestimmt ... autofreie Innenstadt (Anlieger frei) ... Fahrradstaßen in Gießen, die ein durchgängiges Queren der Stadt sowohl in Nord/Süd, als auch in Ost/West Achse ermöglichen ... Reduzierung der Fahrspuren bei allen Ausfallstraßen ... Innenstadtring auf eine Doppelspur begrenzen. Freiwerdende Spur begrünen und für Fahrradfahrende und zu Fußgehende nutzen ... Kostenlose Busse an Samstagen / Einstieg in den kostenfreien Nahverkehr

Volt und die AfD Stadt Gießen kündigten ihr Wahlprogramm zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Seite nur an.

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