PATRIARCHAT, KAPITAL UND GESELLSCHAFTLICHE REPRODUKTION VON SEXUELLER GEWALT
Paviane beenden Patriarchat
Was ist Patriarchat? ● Strukturen und Gewalt ● Ausblick ● Modernisiertes Patriarchat ● Paviane beenden Patriarchat
Wie das Patriarchat in einer Paviangruppe zufällig abgeschafft wurde
Der folgende, selbst als "populärwissenschaftliche, verkürzte Zusammenfassung" bezeichnet, wurde uns zugeschickt:In den 70er Jahren beobachtete der Pavianforscher, Biologe und Neurologe Robert M. Sapolsky eine Gruppe Paviane in Kenia, um das Stresslevel in hierarchisch organisierten Gemeinschaften zu untersuchen. Die Gruppe wurde von wenigen, extrem aggressiven Alphatieren dominiert, die schlichtweg taten was sie wollten wozu auch das permanente Terrorisieren der anderen Gruppentiere gehörte. Diese Misshandlungen wurden innerhalb der Gruppe zu den Rangniedrigeren weitergegeben. Als Schlusslichter in der Hierarchie bekamen die Weibchen und ihre Jungen am meisten ab.
Sapolsky stellte fest, dass je niedriger die Stellung in der Gruppe war, desto höher war der Spiegel der Stresshormone im Blut der Tiere und desto anfälliger waren diese für typische Stresserkrankungen. Die Paviane litten beispielsweise unter erhöhtem Blutdruck sowie unter den Konsequenzen eines schlecht funktionierenden Immunsystems. Im Gehirn der gestressten Untertanen konnte man biochemische Veränderungen feststellen, die beim Betroffenen zu Angststörungen und Depressionen führte.
Sapolskys Forest-Troop wurde Anfang der 80er Opfer eines Unglücks. Bereits vorher hatten die Paviane der Gruppe eine Müllkippe mit den Nahrungsresten eines nahegelegenen Touristencamps entdeckt, von dem sie sich über einen langen Zeitraum ernährten, wobei die stärksten Männchen allmorgendlich die ersten an der Futterstelle waren um sich um die spannendsten Futterbrocken zu prügeln während der Rest der Gruppe mit Sozialverhalten wie z.B. gegenseitiger Fellpflege und Spielen mit den Nachwuchs beschäftigt war. Eines Tages waren die Abfälle mit Tuberkulose-Bakterien verseucht und innerhalb eines Jahres starb die Hälfte der männlichen Paviane, darunter sämtliche der Alphatiere! Die dominanten, aggressiven, gewalttätigen Führer der Gruppe waren weg.
Die Männchen, die übriggeblieben waren, gehörten zu den „guten Jungs“: sie waren nicht aggressiv, sondern nett zu den Weibchen und verhielten sich sozial. Die Atmosphäre in der Gruppe veränderte sich grundlegend. Eine hierarchische Struktur blieb bestehen, aber sie war deutlich flacher und lockerer als die alte. Die demografische Katastrophe hatte eine ganz anders beschaffene Pavian-Sippe zur Folge.
Das Interessante und Überraschende ist weniger, dass durch die Reduktion des gewaltbereiteren, aggressiveren Teils der Pavianhorde eine Gruppe mit friedlicherem Sozialverhalten entstand, denn das ist nur logisch, sondern vielmehr die Beobachtung, dass der schicksalhafte Switch hin zu einer kooperativeren, fürsorglicheren Kultur dauerhaft gehalten werden konnte obwohl regelmäßig aggressiv-mackerig sozialisierte Individuen aus anderen Gruppen dazukamen (pubertierende Männchen verlassen ihren Geburts-Clan und schließen sich einer anderen Gruppe an).
Den Mitgliedern der Alpha-freien Gruppe ist es gelungen die hinzugekommenen Raufbolde umzuerziehen - das übliche Krawallverhalten hatte keine Chance die Oberhand zu gewinnen. Die ganze Gruppe hatte sich grundlegend verändert und brachte innerhalb von etwa sechs Monaten auch den Neuzugängen das alternative Gruppenverhalten mit niedrigen Aggressions- und hohem Sozialniveau bei. Auch 20 Jahre nach dem „Unglück“ lebte die Forest-Troop-Gruppe in fürsorgebasiertem Stil zusammen. Sapolsky stellte bei seinen Blutuntersuchungen fest, dass das Stresshormon- und damit auch Depressions- und Angststörungslevel der Gruppe deutlich niedriger war als alles, was er bis dahin bei Artgenossen gemessen hatte.
- Video 9 min, englisch "Why hierarchy creates a destructive force within the human psyche"
- Das wiss. Paper

